Systemischer Ansatz

Was ist ein System?

Wir alle leben in sozialen Systemen. Solche Systeme können im weiteren Sinne Gesellschaft, Kultur, aber auch Religion darstellen, im engeren Sinne handelt es sich um Familie, Beziehungen, Freundschaften oder Arbeitsteams. Manchmal nehmen wir in diesen Systemen Rollen ein, die uns nicht gut tun.

Ein System kann man selbst in der Regel nicht ändern – aber unseren Bezug dazu. Der systemische Ansatz versucht durch Einbezug des sozialen Kontextes mit dem Klienten heraus zu finden, welchen Platz ein Klient in seinem System einnehmen möchte, um gesund und zufrieden sein zu können. Dies kann entweder direkt in einer Paar- oder Familienberatung geschehen, aber auch indirekt in einer Einzelberatung.

Welche Rolle nehmen Klient und Therapeut ein?

Einen wichtigen Grundsatz der systemischen Arbeitsweise betrifft die Rolle des Klienten. Dieser wird als Experte für die eigene Situation gesehen. In ihm sind alle Ressourcen zur Veränderung und Genesung vorhanden. Der systemische Therapeut verhilft lediglich zum Zugang zu diesen Ressourcen. Dabei ist der Therapeut stets um Allparteilichkeit und Neutralität bemüht.

Was ist eigentlich richtig?

Unsere Überzeugungen sind das Ergebnis individueller Erfahrungen und Bewertungen. Demnach macht es insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich wenig Sinn nach objektiven „Wahrheiten“ zu suchen. Aus systemisch-konstruktivistischer Weltsicht werden unterschiedliche Wahrnehmungen und Sichtweisen akzeptiert und beispielsweise durch Perspektivenwechsel Verständnis für andere „Wahrheiten“ entwickelt.

Und die Vergangenheit?

Im Vordergrund steht stets das Wohlbefinden in der Gegenwart und nicht die Ursachenforschung in der Vergangenheit. Wenn es jedoch hilfreich erscheint wird auch nach Leit-/Leidsätzen oder problematischen Verhaltensmustern geforscht, die häufig bereits viel länger existieren als das aktuelle Problem. Dabei geht es keinesfalls um Schuldzuweisungen. Vielmehr hilft es dem Klienten Erklärungen zu finden und seine eigenen Kontrollmöglichkeiten zu entdecken.

Wer hat sich das ausgedacht?

Die Systemische Psychotherapie hat ihren Ursprung in der Familientherapie, die sich ab 1950 entwickelte. Zu den frühen Vertretern gehören Virginia Satir, Salvador Minuchin und Mara Selvinin Palazzolli. Ihnen war es ein Anliegen den sozialen Kontext in die Therapie mit einzubeziehen.

Einen genauen Überblick über die systemische Therapie liefert folgende Literatur:
Von Schlippe, A.; Schweitzer, J. (2007) Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, 10. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck &Ruprecht GmbH & Co. KG.